Im Labyrinth des Schweigens – packendes Drama um die Auschwitzprozesse

im Labyrinth des Schweigens CoverEin junger aufstrebender Anwalt in Deutschland, die blühende Zeit der Fünfzigerjahre und eine tragische Kriegsvergangenheit rund um das Lager in Auschwitz – alles Stoff für ein spannendes Drama mit dem Prädikat „besonders wertvoll“. „Im Labyrinth des Schweigens“ thematisiert das deutsche Wirtschaftswunder und gleichzeitig die Verdrängung des Holocaust in der Nachkriegszeit. Kommt der junge Anwalt gegen das Vergessen und den Widerstand in Deutschland an?

Daten & Fakten
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • Spielzeit: 124 min
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Genre: Drama, History
  • IMDB: 7.3 / 10 (8,904)
  • Metascore: 62 / 100

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Handlung und Hintergrund zu „Im Labyrinth des Schweigens“

Die Handlung findet in einem Nachkriegsdeutschland Ende der 1950er Jahre statt. Es ist jedoch auch Zeit des Wirtschaftswunders und Geschehnisse aus dem Zweiten Weltkrieg geraten bei der Bevölkerung immer mehr in Vergessenheit. Man will nach vorn blicken und sich lieber einem bunten Leben rund um Kaufkraft, Musik und Wiederaufbau widmen. Journalist Thomas Gnielka findet sich mitten in diesem Geschehen  und will im Gericht der Stadt Frankfurt am Main seinen ehemaligen Wärter aus dem Konzentrationslager Auschwitz anzeigen, der nun als Lehrer tätig ist. Seine Anzeige trifft auf eine breite Ablehnung, außer beim jungen Staatsanwalt Johann Radmann. Er befasst sich ausgiebig mit den Ermittlungen und erhält Unterstützung vom Generalstaatsanwalt Fritz Bauer.

Die Suche nach Tätern und Zeugen beginnt, um die Verbrechen im Konzentrationslager aufzudecken und die Schuldigen zu verurteilen. Eine Liste mit SS-Leuten liegt vor, die Gefangene im Lager getötet haben sollen. Doch die Täter sind in der gesamten Bundesrepublik verstreut. Weitere Unterlagen werden im amerikanischen Document Center in Frankfurt gesichtet. Radmann widersetzt sich bei seinen Ermittlungen den Behörden und lässt die ersten Täter verhaften, einen ehemaligen Lagerkommandanten und einen Adjutanten des Lagerkommandanten Rudolf Höß. Der ehemalige SS-Arzt Rudolf Mengele scheint jedoch verschollen. Radmann selbst leidet sehr unter den anstrengenden Ermittlungen. Er verfällt dem Alkohol, seine Beziehung geht in die Brüche und er muss der Rolle seiner Familie in der NS-Zeit ins Auge blicken. Er kündigt seine Stelle und fängt als Anwalt in einem neuen Job an. Ein Schlüsselmoment bringt ihn jedoch zur Staatsanwaltschaft zurück und letztlich werden 1963 die ersten Auschwitz-Prozesse eingeleitet. „Heute wird Geschichte geschrieben“ kündigt Fritz Bauer als Generalstaatsanwalt zum Ende des Films an.

Die Figur des Johann Radmann selbst ist nur fiktiv gewählt. Allerdings steht sie für drei echte Staatsanwälte, die bei den Prozessen die Vorarbeit geleistet haben. Insgesamt 2 Jahren haben sich die Produzenten für das Drehbuch und die Vorbereitungen Zeit genommen – mit Erfolg. Reale Erinnerungen des Staatsanwalts Gerhard Wiese flossen in das Drehbuch mit ein. Er nahm sogar an der Deutschland-Premiere teil und wurde vom Publikum mit Respekt gefeiert.

Besetzung

RolleSchauspieler
Johann RadmannAlexander Fehling
Thomas GnielkaAndré Szymanski
Marlene WondrakFriederike Becht
Otto HallerJohann von Bülow
Walter FriedbergRobert Hunger-Bühler
SchmittchenHansi Jochmann
Fritz BauerGert Voss
Simon KirschJohannes Krisch
AmtsrichterPeter Cieslinski
ConnyJosephine Ehlert
KathiElinor Eidt

Trailer

Sei gespannt auf eine stilvolle Umsetzung zwischen Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und den tragischen Geschehnissen in Auschwitz. Hier bekommst du einen ersten Einblick in den offiziellen Trailer:

Kritik und Zuschauermeinungen

Im Labyrinth des Schweigens gehört zu den ersten Spielfilmen, der sich überhaupt mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen auseinandersetzt. Hier geht es jedoch nicht um die Prozesse selbst, sondern um die jahrelange Ermittlungsarbeit im Vorfeld, rings um den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Dabei bringen die Schauspieler ein klares Ziel deutlich hervor: das Schweigen über den Holocaust soll gelüftet werden. Kritiker und Zuschauer sind sich bei diesem Werk einig – der Film ist spannend konstruiert, sehr gut besetzt und hervorragend gespielt. Dabei zeigt der Film alles, was dieser Epoche zugesprochen wird. Umgangston, Kleidung, Tapeten und selbst die Körperhaltung der Schauspieler sind perfekt auf die 50er Jahre abgestimmt. Noch glaubhafter wirkt das Drama, da fiktive Charaktere aus realen Personen entstanden sind. Dabei findet der Regisseur eine gute Balance zwischen angeregten Diskussionen und den Bemühungen rund um die Ermittlungen. Er geht akribisch und dennoch unterhaltsam auf die Vorgeschichte der Auschwitz-Prozesse ein.

Manche Kritiker vergleichen die Handlung mit einem Krimi, bei dem Verdächtige einfach unbehelligt wieder abreisen können, trotz tatkräftiger Beweise. Historiker loben die Genauigkeit des Films, vor allem auch bei der Ausstattung. Man fühlt sich sofort in die Zeit der 50er Jahre versetzt und staunt, wie die Ermittlungen komplett ohne Internet und moderne Medien voranschreiten. Der beschwerliche Weg zu den Prozessen greift erzählerische Freiheiten auf und ist durch eine gewisse Prise Humor gestützt. Dennoch verfolgt man als Zuschauer die spannende Entwicklung sehr gebannt und empfindet von Beginn an Empathie für den Hauptdarsteller. Letztlich will Ricciarelli an die Phase der kollektiven Verdrängung erinnern, zu der Randhandlungen und Liebesszenen nicht immer passen. Kritiker sind sich hier jedoch einig, dass die gut ausgearbeiteten Figuren und die Darsteller dem Film seinen besonderen und ehrfürchtigen Charme verleihen.

Auszeichnungen

Der Film erhielt eine Reihe an Auszeichnungen und Nominierungen, vor allem in der Kategorie für Beste Darsteller und für den besten deutschsprachigen Film. Ebenso Regisseur Ricciarelli hat lobende Erwähnungen bekommen. Folgende Auszeichnungen gehören dazu:

  • Bester Darsteller für Alexander Fehling beim Bayrischen Filmpreis 2014
  • Nominierung Bester Darsteller für Gert Voss beim Preis der deutschen Filmkritik 2014
  • Nominierung für Alexander Fehling als bester Darsteller – Jupiter 2014
  • Publikumspreis für Giulio Ricciarelli und eine lobende Erwähnung der Jury beim Les Arcs European Film Festival 2014
  • Nominierung für den besten deutschsprachigen Film beim Zurich Film Festival 2014
  • Vier Nominierungen 2015 beim Deutschen Filmpreis

Videos / Interviews

Sowohl Regisseur als auch Darsteller melden sich im folgenden Video zu Wort. Es ist interessant zu wissen, dass alle Beteiligten am Film viel über die deutsche Geschichte erst während der Vorbereitungen zum Film erfahren haben. Außerdem spricht Ricciarelli über seine Beweggründe zu diesem Film.

Auch beim SWR wurde dem Film ein kompletter Beitrag gewidmet:

Trivia / Sonstiges

  • Der Film hätte im August 2015 beinahe eine Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film bekommen.
  • Die Premiere feierte der Film auf dem Toronto International Film Festival am 6. September 2014. Erst zwei Monate später lief er in den deutschen Kinos.
  • Das Budget kann auf knapp 800.000 Dollar dotiert werden.

Fazit

Ein Staatsanwalt wehrt sich gegen das Vergessen der Deutschen zu einer Zeit, in der die Geschehnisse in Auschwitz noch nicht in den Köpfen der Menschen eingebrannt waren. Mit einem stark geschichtlichen Hintergrund und einer detailgetreuen Umsetzung behandelt „Im Labyrinth des Schweigens“ ein Deutschland der Nachkriegszeit mit sehr guten Schauspielern und einer Handlung aus Fiktion und Realität. Die Auschwitz-Prozesse selbst sind nur das Ziel am Ende des Films und vielmehr wird eine Zeit unter die Lupe genommen, die bisher in kaum einem anderen Spielfilm so thematisiert worden ist. Kritiker und Zuschauer sind sich bei diesem Werk einig und loben die schauspielerische Leistung ebenso wie die passende Umsetzung in Kostümen, Dialogen und Szenerie. Einzigartig und beeindruckend empfindet man sofort Empathie mit dem Hauptdarsteller und fiebert bei der spannenden Ermittlung mit, die nahezu einem Krimi gleicht. Voller Erschüttern muss eine Nachkriegs-Generation erkennen, was ihre Eltern mit zu verantworten haben.

Weiterführende Links

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