Wer wenn nicht wir – packende Vorgeschichte der RAF

Wer wenn nicht wir CoverDer Spielfilm „Wer wenn nicht wir“ zeigt die Anfänge des deutschen Terrorismus in den 60er Jahren. Vesper, Ensslin und Baader nehmen dabei die Hauptrollen ein, aus denen später die RAF hervorging. Gemeinsam wollen die drei die Welt verändern und landen im bewaffneten Untergrund mit fatalen Folgen. Die Geschichte basiert auf einem Sachbuch über die Urszenen des Terrorismus dieser Zeit und ist das Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmers Andres Veiel. Die Beziehung zwischen Bernward Vesper und Gudrun Ensslin ist zentrales Geschehen des Films.
Daten & Fakten
  • Erscheinungsjahr: 2011
  • Spielzeit: 124 min
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Genre: Biography, Drama
  • IMDB: 6.4 / 10 (1,045)
  • Metascore: N/A / 100

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Handlung und Hintergrund zu Wer wenn nicht wir

Gudrun Ensslin und Bernward Vesper lernen sich als Studenten in Tübigen kennen. Beide studieren Germanistik, wobei sie den Beruf als Lehrerin anstrebt und er Dichter werden möchte. Mit dem Rückhalt seines Vaters und Gudrun als Mitarbeiterin gründet Vesper einen kleinen Verlag und beide ziehen in ihre erste gemeinsame Wohnung ein. Schnell wird daraus eine ernste Beziehung, doch der Verlag schreibt keine schwarzen Zahlen. Daher bieten sie sich selbst rechtsnationalen Zeitschriften an unter starker Kritik von Gudruns Vater, einem evangelischen Pfarrer. Sie kontert mit Vorwürfen und gewinnt an Selbstbewusstsein, überfordert sich aber schnell und versucht einen Selbstmord. Bernward kann sie stoppen und beide gehen nach Berlin für einen Neuanfang.

Gudrun darf in Berlin ihre Doktorarbeit schreiben, doch weder die Arbeit noch der Verlag kommen weiter voran. Beide interessieren sich mehr für politische Gruppen und schließen sich einer SPD-Bewegung an.  Auch Bernward unternimmt einen Selbstmordversuch, als er merkt, sein Leben würde der NS-Ideologie gleichen. Gudrun hilft ihm aus der Krise und beide verloben sich. Sie bekommen einen Sohn, doch kurz darauf radikalisieren sich beide weiter. Es findet der Schah-Besuch in Deutschland statt und Gudrun begegnet Andreas Baader. Er imponiert ihr und beide haben eine Affäre. Bernward und Gudrun gehen immer mehr auf Konfrontation, wobei sie eine Auszeit von ihrer Kleinfamilie sucht. Ihr Leben wird immer radikaler von Kaufhausbrandstiftung bis hin zur Flucht in den Untergrund. Außerdem hilft sie bei der gewaltsamen Befreiung Baaders. Bernward kämpft weiterhin für seine Gudrun, schreibt ihr Briefe und besucht sie im Gefängnis – ohne Erfolg. Letztlich muss er einsehen, dass er als Vater und Verleger versagt, unterliegt den Drogen und wird in die Psychiatrie eingewiesen. Felix wächst bei einer Bekannten auf. Alle Nachfolgenden geschichtlichen Handlungen wie der Selbstmord der beiden werden nur im Abspann erwähnt.

„Wer wenn nicht wir“ beschreibt nicht direkt die Geschichte der RAF. Vielmehr konzentriert sich Regisseur Andres Veiel auf die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Vesper und Ensslin, die letztlich auch zu den Wurzeln der RAF führt. Die Geschichte nimmt dabei Bezug auf das Buch „Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus“. Sowohl Newcomer als auch bekannte deutsche Schauspieler wurden für den Film ausgewählt. Veiel strickte die Geschichte außerdem aus zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen und aus seiner langjährigen Recherche.

Besetzung

RolleSchauspieler
Bernward VesperAugust Diehl
Gudrun EnsslinLena Lauzemis
Andreas BaaderAlexander Fehling
Will VesperThomas Thieme
Rose VesperImogen Kogge
Helmut EnsslinMichael Wittenborn
Ilse EnsslinSusanne Lothar
Klaus RoehlerSebastian Blomberg
Ruth EnsslinMaria-Victoria Dragus
VerteidigerRainer Block
AnstaltleiterinSusanne-Marie Wrage
Walter JensBenjamin Sadler
UlrikeStephanie Stremler

Trailer

Es ist Aufbruchsstimmung in Deutschland und etwas muss sich ändern. Die Jugendlichen Vesper und Ensslin finden sich genau mitten im Geschehen. Im Trailer siehst du erste packende Szenen zur Vorgeschichte der RAF.

Kritik und Zuschauermeinungen

Kritiker loben den Film und geben ihm gute Bewertungen. Damit stellen sie ihn sogar besser dar als den „Baader Meinhof Komplex“, der ebenso die RAF thematisiert. Die intensive Recherche des Regisseurs deckt viele kleine Details auf, die bisher in der Geschichte und den Medien noch nicht sehr bekannt waren. Darunter zum Beispiel, dass Ensslin sogar für eine nationalistische Zeitschrift etwas verfasste. Allerdings sind es auch viele kleine Details, die wenig Eindruck bei den Zuschauern gemacht haben. So kommt die Geschichte beispielsweise nicht weiter voran, indem das Paar eine Menage-a-trois ausprobiert oder die freche Liebe praktiziert. Allerdings handelt es sich um biografische Wurzeln, die einfach zur Liebesbeziehung der beiden gehören. Veiel kann außerdem nur schwer von seiner ehemaligen Dokumentar-Karriere ablassen. Immer wieder sind Schwarz-Weiß-Schnipsel aus wahren Geschehnissen in den Film eingearbeitet, so beispielsweise der Abwurf von Napalm-Bomben über Vietnam. Im Grunde vermittelt der Film eine recht seltsame Stimmung und leidet mit dem Thema RAF unter den vielen Medienberichten, die es bereits über die Protagonisten gab. Die FAZ beschreibt den Film als historisch nicht immer korrekt, dennoch überzeugt er als filmisches Handwerk. Auch SPIEGEL ONLINE beschreibt den Film etwas schwach, lobt jedoch, dass sich Veiel selbst bei kleinsten Details in die Personen hineinversetzen möchte – quasi in das Zentrum des deutschen Terrorismus.

Die Kinogänger loben vor allem die Darsteller und sprechen von einer überzeugenden Leistung. Die Geschichte und die Handlung selbst sind an einigen Stellen jedoch fragwürdig und etwas zu stark für manchen Geschmack. Der Film ist in den Augen der Zuschauer kein großes Meisterwerk, gehört aber wohl zu den besseren deutschen Filmen. Manche Besucher sind von dem Film gar enttäuscht. Es dreht sich hauptsächlich um die Liebesgeschichte zwischen Vesper und Ensslin. Genaue Hintergründe zur RAF werden nur am Rand mitgeteilt. Als Chronologie und Rückblick auf manche Punkte der Geschichte war der Film nicht schlecht, aber stellenweise sehr langweilig und langatmig.

Auszeichnungen

Der Film wurde auf der Berlinale 2011 gezeigt und kam danach in die deutschen Kinos. Bereits auf der Berlinale gewann er den Alfred-Bauer-Preis und den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater. Für den deutschen Filmpreis gab es im Folgejahr fünf Nominierungen. Darunter zum Beispiel als bester Film, bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin. Auch Schnitt und Szenenbild wurden nominiert. Gewonnen hat der Spielfilm als bester Film beim Hessischen Filmpreis 2011. Außerdem verlieh die Deutsche Film- und Medienbewertung das Prädikat „besonders wertvoll“ für dieses Werk. Hier bekommst du das Fazit der Jury zu lesen.

Videos: Interviews mit Regisseur Andres Veiel

Andres Veiel spricht in seinem Interview über die jahrelange Recherche und über die Auswahl der Schauspieler. Außerdem erzählt er viel über die Hintergründe des Films und über die Drehorte.

Auch in diesem Interview erklärt Veiel mehr über seinen Film und die Machart. Wie bringt er seine dokumentarische Vergangenheit mit dem Spielfilm in Einklang. Außerdem geht er mehr auf die Erzählweise im Film ein.

Trivia / Sonstiges

  • Der Filmtitel „Wer wenn nicht wir“ kann immer wieder in manchen Stellen des Films eingesetzt werden. Am deutlichsten wird es in der Szene nach dem Schah-Besuch, als Ensslin zum Ausdruck ihrer Empörung sagt: „Die schießen auf hilflose Leute.“
  • Schauspielerin Lena Lauzemis ist Newcomerin bei diesem Film und spielt ihre erste große Rolle.
  • Alexander Fehling ist bereits aus Filmen bekannt, wie „Am Ende kommen Touristen“ und „Goethe!“. Hier spielt er die Rolle des Andreas Baader.
  • Der Film war der einzige deutsche Beitrag auf der Berlinale 2011 im Wettbewerb.
  • Andres Veiel ist nicht neu in diesem Thema. Mit Black Box BRD hat er bereits einen bedeutenden Dokumentarfilm über die RAF gedreht.

Fazit

Es handelt sich nicht um einen weiteren Film rund um den deutschen Terrorismus Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre. Erstmals steht auch eine Liebesgeschichte im Vordergrund zwischen Vesper und Ensslin. Es beginnt der Aufbruch einer jungen Generation, die endlich etwas bewegen will. Nach langen Recherchen und auf Vorlage eines Sachbuchs gelingt es Regisseur Andres Veiel, den Spielfilm stilsicher und mit toller Besetzung zu drehen. Die Zuschauer sind von der schauspielerischen Leistung beeindruckt. Die Geschichte kommt jedoch nicht überall gut an. Während die Kritiker mehr als nur ein geschichtliches Drama sehen, finden manche Kinogänger den Film schlichtweg langweilig. Wer sich wirklich für das Thema interessiert und kleinste Details aus der deutschen Geschichte am Rande wiedererkennen möchte, sollte den Streifen nicht verpassen.

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