Das Schmuckstück – Filmkomödie mit einer starken Frau in der Hauptrolle

Das Schmuckstück CoverMadame Suzanne ist die brave Ehefrau und Hausfrau eines neureichen Industriellen. Sie lebt förmlich als Schmuckstück neben ihm her, unbeachtet und betrogen. Als sich jedoch Probleme in seinem Unternehmen anbahnen und er einen Herzinfarkt erleidet, übernimmt seine Frau die Kontrolle in der Firma. Damit verkörpert sie gleichzeitig das Bild der aufstrebenden und gleichberechtigten Frauen in den 70er Jahren. Wird sie sich durchsetzen können?
Daten & Fakten
  • Erscheinungsjahr: 2010
  • Spielzeit: 103 min
  • Altersfreigabe: FSK 6
  • Genre: Comedy
  • IMDB: 6.4 / 10 (8,985)
  • Metascore: 68 / 100

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Handlung und Hintergrund zu Das Schmuckstück

Der Film spielt 1977 in der fiktiven Kleinstadt Sainte-Gudule. Suzanne Pujol ist fleißige Hausfrau und geliebte Mutter. Sie kümmert sich um die Belange ihres Manns Robert, geht in ihrer Freizeit joggen und schreibt selbst Gedichte. Robert Pujol ist Leiter seiner Regenschirmfabrik und sowohl im beruflichen als auch privaten Leben streng und egoistisch. Er sieht in seiner Frau nicht mehr als ein dekoratives Schmuckstück, das immer hübsch aussehen muss. Er betrügt seine Frau und missachtet die schlimmer werdenden Zustände in seiner Firma. Ihre Kinder stehen immer hinter ihrer Mutter und Tochter Joelle ist dabei schon eine selbstbewusste und selbstbestimmte Frau. Plötzlich beginnen die Arbeiter mit einem Streik und fordern mehr Geld. Als Robert mit den harten Fakten konfrontiert wird, erleidet er einen Herzinfarkt. Suzanne soll die Leitung übernehmen und mit den Arbeitern verhandeln. Sie überzeugt durch ihre freundliche und diplomatische Art. Die Arbeiter beruhigen sich und die Produktion läuft wieder auf Hochtouren. Das Unternehmen fährt mehr Gewinn denn je ein.

Suzanne und der kommunistische Bürgermeister Babin kommen sich näher und gehen abends zum Tanz. Sie will jedoch ihren Ehemann nicht verlassen und gibt ihm nur einen Kuss zum Trost. Robert erholt sich von dem Infarkt und will letztlich wieder die Kontrolle in seiner Firma. Seine Ehefrau will die Leitung jedoch nicht mehr abgeben und gemeinsam mit ihren Kindern und ihrer Schwester haben sie mehr Anteile als Robert. Kurz danach stellt sich heraus, dass der gemeinsame Sohn nicht von Robert ist. Babin scheint zunächst überglücklich, vielleicht Vater zu sein, wird jedoch von Suzanne zurückgewiesen. Währenddessen überzeugt Robert seine eigene Tochter, die Anteile abzugeben, und übernimmt wieder die Firma. Suzanne hat neues Selbstbewusstsein erhalten und steigt am Ende des Films schließlich in die Politik ein als Konkurrentin von Bürgermeister Babin. Letztlich wird sie mit einem charismatischen Auftreten von der Pariser Nationalversammlung gewählt.

Der Originaltitel „Potiche“ bedeutet übersetzt Porzellanvase, ist jedoch auch ein Begriff für Hausfrauen, die nur einen dekorativen Charakter neben ihrem Mann besitzen. Der Film nutzt ein Bühnenstück als literarische Vorlage, das bereits 1980 das erste Mal aufgeführt worden ist. Die Dreharbeiten fanden letztlich in Belgien statt. Mit der Regenschirmfabrik im Film spielt der Regisseur Ozon bewusst „Die Regenschirme von Cherbourg“ an, denn mit diesem Streifen schaffte Hauptdarstellerin Catherine Deneuve ihren Durchbruch.

Besetzung

RolleSchauspieler
Suzanne PujolCatherine Deneuve
Maurice BabinGérard Depardieu
Robert PujolFabrice Luchini
NadègeKarin Viard
Joëlle PujolJudith Godrèche
Laurent PujolJérémie Renier
spanischer FernfahrerSergi López
Geneviève MichonneauÉvelyne Dandry
André FerronBruno Lochet
junge SuzanneElodie Frégé
junger MauriceGautier About
junger RobertJean-Baptiste Shelmerdine
FlavienNoam Charlier

Trailer

Willst du eine starke Frau erleben, die sich gegen ihren Mann durchsetzt und plötzlich die Leitung einer ganzen Firma übernimmt? Dann darfst du den Trailer zum Film nicht verpassen. Liebevoll und vor allem glaubwürdig gespielt wird dir hier eine sehr starke Hauptrolle gezeigt in einer Zeit, in der Frauen wohl doch eher schmückendes Beiwerk waren.

Kritik und Zuschauermeinungen

Das Schmuckstück wird als flotte und emanzipatorisch angehauchte Komödie beschrieben, die sämtliche Familienbilder Frankreichs aus den 70er Jahren zerstört. Entgegen der konservativen Familie übernimmt eine Frau bald die Leitung einer Firma und regiert mit Witz und Warmherzigkeit. Vor allem die Rolle der Suzanne wurde mehrfach in den Medien gelobt. Sie setzt sich mit viel Selbstbewusstsein und dennoch einer kleinen Naivität gegen die Männerwelt durch. Regisseur Ozon beschreibt dabei nicht nur die Konflikte zwischen Männern und Frauen zur damaligen Zeit. Auch die politischen Belange wurden nicht außer Acht gelassen und stilvoll in Dialoge und Nebenhandlungen mit eingebaut. Die FAZ beschreibt den Film in ihrer Kritik als etwas altmodisch und dennoch hintersinnig. Allerdings muss man für das französische Kino der 70er Jahre etwas übrig haben. Dann findet man sich in passenden Kostümen und einem gewissen französischen Charme wieder.

Kinogänger lieben die nostalgische und erfrischende Art des Films. Dabei wird die Emanzipation der Frau zur damaligen Zeit mit einer gewissen Ironie betrachtet. Auch der Spagat zwischen Business und Familie stellt eine amüsante Unterhaltung dar. Als dann noch ein nichteheliches Kind eine Rolle spielt, bekommt der Film noch mehr von der französischen Note ab. Kurzum: Das Schmuckstück ist ein wahres Schmuckstück – wie es manche Fans beschreiben. Mit einer Bewertung von durchschnittlich 7/10 Punkten sehen die Zuschauer über manche Schwachstellen hinweg und erleben eine große Hommage an die 70er Jahre und die Rolle der Frau.

Auszeichnungen

Zunächst einmal ist die Nominierung für den Goldenen Löwen auf den Filmfestspielen in Venedig zu nennen. Ebenso folgten Nominierungen für den Publikumspreis und den Europäischen Filmpreis. Ozon bekam eine Nominierung in der Kategorie Bester europäischer Regisseur für den Nastro d‘Argento. Beim Preis Prix Lumiéres wurde Catherine Deneuve als Beste Darstellerin nominiert und ebenso beim César als Beste Hauptdarstellerin. Daneben gab es Nominierungen für die Beste Nebendarstellerin, für das beste adaptierte Drehbuch und die besten Kostüme. Einen Preis gewonnen hat der Film jedoch nicht.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung hat das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen. Außerdem gab es eine Nominierung beim BAFTA Film Award als beste nicht-englischsprachiger Film. Doch auch hier konnte der Preis letztlich nicht mit nach Hause genommen werden.

Videos – Filmszenen und Interviews

In diesem Video kommt Regisseur Ozon zu Wort. Er spricht auf Französisch über den Film, seine Hintergründe und die gelungene Umsetzung:

Doch was bewegt die Arbeiter in der Fabrik überhaupt? Warum soll gestreikt werden? Hier siehst du Madame Suzanne, wie sie noch etwas unbeholfen die Verhandlungen mit den Arbeitern aufnehmen will. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten geht sie gestärkt aus der Situation heraus.

In der Sendung Wetten Dass spricht Catherine Deneuve über den Film selbst. Sie erklärt die Hintergründe zu ihrer Rolle und geht mit Witz auf die Nebendarsteller ein.

Trivia / Sonstiges

  • Im Film wurde ein Zitat vom ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy verwendet: „Wenn sie mehr Geld wollen, sollen sie auch mehr arbeiten.“ Ozon nimmt dieses Zitat absichtlich als Parallele zur Sarkozy-Regierung
  • Die Premiere feierte der Film auf den 67. Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Hier nahm der Streifen am Wettbewerb um den Goldenen Löwen teil
  • In Frankreich war der Film zwei Wochen auf Platz 1 der Kinocharts. Die Veröffentlichung fand am 10. November 2010 statt
  • In Deutschland startete der Film etwas später am 24. März 2011

Fazit

Das Schmuckstück wird als schrille Komödie der 70er Jahre beschrieben und beinhaltet dennoch Stoff zum Nachdenken. Regisseur Ozon spricht mehrfach auf die politische Situation im Land an, stellt jedoch die Emanzipation der Frauen in den Vordergrund. Mit schillernden Kostümen und einem gelungenen Look fühlt man sich direkt in das damalige Frankreich zurückversetzt. Manche Handlungen der Hauptdarsteller sind zwar nicht immer nachvollziehbar, dennoch überzeugen die Darsteller mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung. Vor allem Catherine Deneuve wird als kleiner Edelstein im Film bezeichnet, der selbst die Szenen mit den Nebendarstellern zum Leuchten bringt. Auch ihr Gesang wird mehrfach gelobt. Wen die Geschichte nicht gerade vom Hocker reißt, der kann sich mit Sicherheit von der witzigen Erzählweise und der tollen Umsetzung überzeugen.

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